Tipps,  Üben

Erfolgreich üben! – Aber wie?

Das viel zitierte Sprichwort „Übung macht den Meister“ ist sicherlich zutreffend. Auch wer ein Musikinstrument spielen möchte, egal ob als Meister oder als Liebhaber kommt um das Üben nicht herum. Dass wir erfolgreicher üben, wenn das Üben an sich schon Freude bereitet erscheint wohl selbstverständlich. Der folgende Artikel soll anhand der Beispiele von Anna-Marie, Bernd und Charles helfen, eine solche Freude zu erlangen. Bei den drei erdachten Personen handelt es sich um Schlagzeuger/innen, doch die Beispiele lassen sich auf jedes andere Instrument übertragen.

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi (ausgesprochen wie „Tschik-sent-mi-hai“) prägte den Begriff flow. Flow bezeichnet jenen

„Zustand, bei dem man in eine Tätigkeit so vertieft ist, dass nichts anders eine Rolle zu spielen scheint; die Erfahrung an sich ist so erfreulich, dass man es selbst um einen hohen Preis tut, um flow zu erreichen.“

Er nennt fünf wichtige Schritte um flow erzeugen zu können.


  1.  sich ein Gesamtziel setzen und so viele Unterziele, wie realistisch möglich sind

  2. Methoden zur Messung des Fortschritts in Hinblick auf das gesetzte Ziel finden

  3. sich auf das konzentrieren, was man tut, und die mit der Tätigkeit verbundenen Herausforderungen immer feiner differenzieren

  4. die notwendigen Fähigkeiten für die zur Verfügung stehenden Gelegenheiten entwickeln

  5. die Messlatte höher setzen, wenn die Aktivität langweilig wird.

Nun soll gezeigt werden, wie diese Schritte auf die Musik angewendet werden können.

1. Ziele setzen

Schon der Beweggrund ein Instrument spielen zu wollen kann das Gesamtziel sein. Anna-Marie zum Beispiel möchte eine berühmte Schlagzeugerin werden, Bernd möchte so spielen können wie der Drummer seiner Lieblingsband und Charles weiss gar nicht genau warum er Schlagzeug spielt, findet es aber spannend neue Sounds am Schlagzeug zu entdecken.
Manche dieser Ziele sind nur über einen langen Zeitraum erreichbar. Damit man langfristige Ziele erreichen kann, ist es nötig kurzfristigere Ziele, also Unterziele zu setzen. Um eine berühmte Schlagzeugerin zu werden braucht es jahrelange Arbeit. Anna-Marie weiß ziemlich genau wo ihre spieltechnischen Grenzen liegen. Daher beschließt sie ihre Spieltechnik zu verbessern und möchte zunächst ihre Single Strokes verfeinern. Bernds Lieblingsband hat so viele Songs im Repertoire, dass es lange dauern wird bis er sie alle spielen kann. Also beginnt er mit einem Song. In der Bridge dieses Songs gibt es einen Double-Bass Part, den er nur unsauber spielen kann. Also möchte er genau diese Stelle üben. Charles verliert schnell die Lust, da ihm so viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen und er nicht weiß wo er anfangen soll. Aus diesem Grund hat ihm sein Lehrer ein Stück aufgegeben das sich auf verschiedene Sounds der Snare Drum beschränkt. Außerdem hat sich Charles vorgenommen, jeden Tag zu üben.

Fazit: Das tägliche Üben erscheint mit einem klaren Ziel viel sinnvoller. Um langfristige Ziele zu erreichen ist es nötig Unterziele zu bilden, die wiederum in weitere Unterziele eingeteilt werden können.

2. Fortschritt messen

Um einen Fortschritt feststellen zu können muss man sich auch die Gelegenheit bieten Fortschritte zu machen. Wer etwas nur ein einziges Mal übt wird darin schwer einen Fortschritt erzielen können. Es ist daher sinnvoll über einen gewissen Zeitraum das Gleiche zu üben. Dies kann so geschehen, dass beispielsweise eine Woche lang täglich ein und dieselbe Übung bzw. ein und dasselbe Stück gespielt wird.

Anna-Marie hat Schwierigkeiten schnelle Single Strokes zu spielen. Sie hat sich eine Übung ausgesucht in der 16tel Noten und 32tel Noten als Single Strokes vorkommen. An einer Stelle dieser Übung stehen ein Takt lang 32tel Noten. Genau da klingen die Schläge ungleichmäßig und Anna-Marie fühlt sich verkrampft. Also wählt sie zunächst eine Geschwindigkeit in der sie die gesamte Übung gleichmäßig und entspannt spielen kann – 60 Schläge pro Minute sind für sie angenehm. Anschließend speilt sie die Übung noch einmal, allerdings mit 64 Schlägen pro Minute – das läuft auch gut. Beim nächsten Durchgang stellt sie das Metronom auf 68 – dieses Tempo ich auch noch spielbar. Allerdings hat Anna-Marie heute wenig Zeit. Sie beendet ihre Übung, schreibt sich die Zahl 68 auf und beschließt die Übung am nächsten Tag in dieser Geschwindigkeit fortzusetzen. Tags darauf spielt sie die Übung bei 68 Schlägen pro Minute – das ist aber angespannter als gestern! Also wieder 64. Nachdem sie die Übung bei 64 bpm. entspannt spielen kann geht sie wieder auf 68 – jetzt geht es gut! Noch ein Durchgang, aber diesmal bei 72 Schlägen pro Minute – langsam merkt Anna-Marie dass ihre Grenze erreicht wird. Sie schreibt die Zahl 72 auf und lässt es für heute gut sein.
Auf diese Art und Weise hat Anna-Marie innerhalb einer Woche die Geschwindigkeit ihrer Single Strokes erhöhen können. Den Fortschritt hat sie mit zwei Methoden gemessen: Mit einem Metronom und mit ihrem Empfinden für körperliche Spannung und Entspannung.

Bernd hat Probleme einen Double-Bass Rhythmus zu spielen, in dem ständig Wechsel von 8tel Noten, 16tel Noten und 16tel Triolen vorkommen. Weiterhin laufen einige Hand-Fuß-Kombinationen noch nicht so flüssig. Auch Bernd übt mit Metronom und spielt zunächst so langsam, dass die schwierigen Stellen gut laufen. Außerdem filmt er sich immer mal wieder mit seinen Smartphone. Er hat nämlich gemerkt dass ihm beim Anschauen der Videos ganz andere Dinge auffallen als während des Übens. In Bezug auf die Geschwindigkeit geht Bernd genauso vor wie Anna-Marie und kann anhand des Metronoms seinen Fortschritt feststellen. Außerdem sieht und hört er mit Hilfe der Videos, wie sich sein Schlagzeugspiel verändert.

Charles möchte diese Woche jeden Tag üben. Nach jedem Üben malt er sich ein Smiley in den Kalender. Am Ende der Woche kann er dann ganz einfach feststellen ob er sein Ziel erreicht hat.
In dem Stück das Charles übt muss der Snareteppich entspannt und angespannt werden und gelegentlich soll auf dem Spannreifen gespielt, statt auf dem Fell. Außerdem kommen viele Pausen vor. Manchmal spielt er die Pausen aber zu lang oder zu kurz. Aus diesem Grund zählt er während des Übens laut mit und kann dadurch beurteilen ob er die Pausen mit der richtige Länge gespielt hat. An zwei Stellen hat er sich die Zählzeiten unter die Noten geschrieben, weil ihm gar nicht klar war, wie lange die Pausen eigentlich sind. Nach einer Woche ist Charles mit sich zufrieden. Er hat jeden Tag geübt und kann das Stück so spielen wie es in den Noten steht.

Fazit: Mit dem Messen des eigenen Fortschritts bilden sich schnell neue Unterziele. Anna-Marie und Bernd haben die für sie spielbare Geschwindigkeit erweitern können. Beide haben sich das Ziel gesetzt, diese Geschwindigkeit beim nächstem Mal wieder zu erreichen oder gar ein wenig zu erhöhen. Charles hat diese Woche jeden Tag geübt, was ihn dazu anspornt auch in der kommenden Woche täglich zu üben.
Messen sollte aber nicht mit übereifrigem Urteil verwechselt werden. Höchstwahrscheinlich werden auch Fehler gemessen. Der Umgang mit Fehlern hat entscheidenden Einfluss auf unser üben. Wenn wir einen Fehler akzeptieren (ohne uns unnötig über ihn zu ärgern) und als wichtige Informationsquelle betrachten die uns den Unterschied zeigt, zwischen dem was wir derzeit tun und dem was wir tun möchten, werden wir besser in der Lage sein diesen Fehler zukünftig zu korrigieren.

3. Aufmerksamkeit und Konzentration

Beim Lernen werden Strukturen im Gehirn verändert. Das lässt sich mit Straßen vergleichen. Manche Straßen werden ausgebaut, damit der Verkehr besser fließen kann, andere Straßen verfallen, weil sie nicht mehr benutzt werden und sich niemand mehr um sie kümmert. Es werden auch neue Straßen gebaut um zwei Orte besser miteinander zu verbinden. Wie Neurowissenschaftler (Hirnforscher) herausgefunden haben, sieht es im Gehirn ähnlich aus. Je nach Tätigkeit sind dort bestimmte Bereiche aktiv. Aktiv bedeutet, dass Neuronen (Nervenzellen) an den Synapsen (Verbindungsstellen) chemische Stoffe übertragen und dadurch Informationen austauschen. Je stärker diese Übertragung ist, desto aktiver ist der Gehirnbereich und desto mehr lernen wir. Weiterhin wurde herausgefunden, dass mit zunehmender Aufmerksamkeit die Gehirnbereiche aktiver sind. All diese Untersuchungen lassen darauf schließen, dass wir mit erhöhter Aufmerksamkeit besser lernen können. Auf das Üben bezogen bedeutet dies, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Tätigkeit richten sollten, ansonsten wäre es reine Beschäftigung ohne nennenswerten Lerneffekt.
Das Thema Aufmerksamkeit scheint allerdings etwas komplizierter zu sein. Auf der einen Seite sind unserer Aufmerksamkeit Grenzen gesetzt. Diese Grenzen werden schnell deutlich wenn man beispielsweise einen Text laut vorliest und gleichzeitig eine Rechenaufgabe lösen möchte. Auf der anderen Seite scheint unser Gehirn aber dazu geneigt die Aufmerksamkeit auf alle möglichen Dinge zu richten. Viele haben vermutlich schon die Erfahrung gemacht, dass „die Gedanken abschweifen“, oder dass wenn wir ein Bild betrachten unser Blick über das ganze Bild wandert anstatt auf einen Punkt zu starren. Manchmal fällt es uns schwer, sich auf nur eine Sache zu konzentrieren. Wie können wir nun unsere Konzentration auf das Üben richten ohne dabei mit den Gedanken abzuschweifen?

Anna-Marie übt mit Metronom und achtet gleichzeitig darauf wie entspannt oder angespannt wie während des Spielens ist. Dadurch kann sie ihre Aufmerksamkeit auf verschiedene Aspekte richten: Spielt sie im Tempo des Metronoms? Wie gleichmäßig klingen ihre Schläge? Fühlt sie körperliche Anstrengung oder gar Verkrampfung? Dass sie nicht auf alles gleichzeitig achten kann, stört Anna-Marie wenig. Sie wechselt mit ihrer Aufmerksamkeit einfach zwischen diesen Aspekten hin und her. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass ihre Bewegungen locker sind beachtet sie ob alle Schläge gleichmäßig klingen. Anschließend kontrolliert sie anhand des Metronoms das Tempo. Auf einmal hört sie, dass eine Hand lauter spielt als die andere. Ach so, mit der rechten Hand führt sie viel größere Bewegungen aus, also Bewegung angleichen. Allmählich spürt sie eine Anspannung im Unterarm und merkt dass sie die Stöcke fester hält als vorher. Also wieder lockerer lassen. Achtung! – das Metronom klickt langsamer als gedacht, also Geschwindigkeit korrigieren. Jetzt klingen die Schläge auch gleichmäßiger… . Egal auf welchen Aspekt sie gerade achtet, Anna-Marie ist immer auf ihre Tätigkeit konzentriert.
Eine solche Herangehensweise wird auch als rotierende Aufmerksamkeit bezeichnet.

Bernd hat Schwierigkeiten, die Wechsel von 16tel Noten und 16tel Triolen in Verbindung mit Hand-Fuß Kombinationen rhythmisch exakt zu spielen. Auch er übt mit Metronom. Die Wechsel fallen ihm leichter wenn er zuvor ein Warm up auf dem Practice Pad spielt. Bernd hat zum einen festgestellt dass ihn das Warm up auf das zu übende Stück vorbereitet und zum anderen, dass er anschließend viel konzentrierter ist. Weiterhin hat er auf einem seiner Videos gesehen, dass er während des Double-Bass Spiels den Oberkörper nach hinten neigt. Daher hat er sich vorgenommen dies auch während des Spielens wahrzunehmen. Als er nun die Double-Bass spielt, merkt Bernd dass sein Gleichgewicht verloren geht und es mit dem Neigen des Oberkörpers wieder herstellen möchte. Auf der Suche nach dem Grund des Gleichgewichtsproblems kommt Bernd die Idee die Sitzhöhe seines Schlagzeughockers zu verändern. Und tatsächlich kann er nun viel stabiler sitzen.

Während Charles übt, zählt er laut mit. Dies beansprucht seine Aufmerksamkeit so sehr, dass er sich nur wenige Minuten konzentrieren kann. Er macht aus der Not eine Tugend und übt nur so lange, wie er sich konzentrieren kann. Nach spätestens 10 Minuten ist für ihn meistens Schluss. Danach ist er aber stolz, dass er in dieser Zeit konzentriert geübt hat!

Fazit: Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge steigert erhöhte Aufmerksamkeit die Lernfähigkeit. Ein Warm up kann die Aufmerksamkeit fördern, so dass wir anschließend konzentrierter üben. Die rotierende Aufmerksamkeit ermöglicht uns eine Tätigkeit aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und hilft den Fokus auf unser Üben zu richten. Es ist empfehlenswert vor dem Üben einige Aspekte zu benennen, zwischen denen die Aufmerksamkeit rotieren kann. Auch Zeit spielt bei der Aufmerksamkeit eine Rolle. Wer 10 oder 20 Minuten lang konzentriert übt, lernt effektiver als jemand der eine Stunde lang unkonzentriert „vor sich her dudelt“. Bei längeren Übe-Sitzungen kann mit kurzen Pausen die Konzentration aufrecht erhalten werden.

4. Fähigkeiten entwickeln

Die Entwicklung von Fähigkeiten wird durch üben zum Selbstläufer. Dabei handelt es sich um mehr als rein spieltechnische Fähigkeiten. So zählen beispielsweise gesteigerte Aufmerksamkeit und die damit verbundene Wahrnehmungsfähigkeit ebenfalls dazu.
Manchmal helfen uns zusätzliche Informationen bei der Entwicklung von Fähigkeiten. Bernd hat einige Interviews seines Lieblingsschlagzeugers gelesen, in denen er unter anderem berichtet welche Musik ihn beeinflusst hat. Für Bernd ist viele dieser Musik unbekannt. Seine Neugierde ist aber so groß dass er sich von nun an des öfteren dieser Musik anhört. Das wiederum hat auch einen Einfluss auf sein eigenes Schlagzeugspiel.
In Hinblick auf das Gesamtziel erwerben wir unter Umständen auch Fähigkeiten, die zunächst gar nichts mit Musik oder üben zu tun haben. Um berühmt zu werden bedarf es mehr als gut Schlagzeug spielen zu können. Selbstvermarktung zum Beispiel gehört ebenso dazu wie Kontakt zu andern Musikern und Leuten der Musikbranche. Daher hat sich Anna-Marie auch mit Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt und Marketingstrategien entwickelt. Darauf möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen, da dies zu weit vom eigentlichen Thema dieses Artikels wegführen würde.

Fazit: Um den Erwerb neuer Fähigkeiten brauchen wir uns zunächst wenig Gedanken machen, da sich viele Fähigkeiten durch unser üben quasi von alleine bilden. Darüber hinaus kann die Beschäftigung mit allen möglichen Dingen unsere musikalischen Fähigkeiten anregen, bereichern und ergänzen.

5. Messlatte höher setzen

Dinge, die wir sehr oft wiederholt haben, von vorne bis hinten auswendig kennen und sprichwörtlich „im Schlaf“ spielen können, laufen Gefahr langweilig zu werden.

Anna-Marie hat einige Zeit lang Single Strokes auf dem Practice Pad geübt und verfeinert und ist mit ihrem Ergebnis zufrieden. Auf die Dauer wird ihr dies aber zu eintönig. Also übt sie nun ein spieltechnisch anspruchsvolleres Stück und merkt sofort dass dies deutlich schwieriger ist. Der Stock verhält sich auf der Snare Drum vollkommen anders als auf dem tiefen Tom und wiederum anders als auf dem Ride Becken. Außerdem muss sie sich nun anders bewegen, da sie schnell von der einen Klangquelle auf die nächste wechseln muss. Durch den erhöhten Schwierigkeitsgrad hat Anna-Marie eine neue Herausforderung gefunden.

Bernd trifft sich regelmäßig mit Freunden um einige Cover-Songs zu spielen. Dummerweise proben sie zur Zeit ein Stück, dass er total langweilig findet: Das Stück ist ziemlich langsam, der Groove bleibt immer gleich, Fills kommen auch kaum vor und zu allem Überdruss klingt der Song im Original viel besser als im Proberaum. Er hat schon versucht mehr Fills und verschieden Grooves zu spielen, mit dem Ergebnis dass seine Bandkollegen geschimpft haben: Die Grooves seien nicht passend und mit den Fills trommele er alles kaputt. Im Original würde ja schließlich auch viel weniger gespielt. Bernd muss sich also eine andere Herausforderung suchen. Er hört sich das Original noch einige Male an, bis ihm auffällt dass die Musiker dort unfassbar gut zusammen spielen und alle Instrumente aufeinander abgestimmt sind. Gitarre und Bass ergänzen sich und lassen gleichzeitig so viel Platz dass der Gesang voll zur Geltung kommt. Das alles wird von einem Groove getragen der einerseits ganz einfach klingt und andererseits so mit den anderen Instrumenten verwoben ist, dass jeder zusätzliche Schlag zu viel wäre. So hat er das Stück bisher noch nie wahrgenommen! Daraufhin beschließt Bernd bei der nächsten Probe mehr auf die anderen Musiker zu hören und auf das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente zu achten.

Auch Charles kann das geübte Stück zu seiner Zufriedenheit spielen. An einer Stelle des Stückes muss der Snareteppich entspannt und später wieder angespannt werden. Das dabei entstehende Geräusch hat ihn anfangs genervt, doch mittlerweile hat Charles erkannt dass er dieses Geräusch auch als eigenständigen Klang betrachten kann. Zur Zeit improvisiert er gerne und versucht das Teppichgeräusch sowie verschiedene andere Sounds so musikalisch wie möglich zu integrieren. Für ihn besteht die Herausforderung darin, mit den bekannten Sounds zu experimentieren und eigene Stücke zu kreieren.

Fazit: Neue Herausforderungen verhindern Langeweile. Die Herausforderung kann zum Beispiel darin bestehen, bereits bekannte Fähigkeiten in andere Zusammenhänge zu bringen, schwierigere Stücke zu spielen oder die Aufmerksamkeit auf Details zu richten. Die veränderte Aufmerksamkeit hilft auch bei scheinbar einfachen Stücken oder Übungen die musikalische Qualität zu erhöhen. Mit neuen Herausforderungen werden wieder neue Ziele gesetzt, für die es sich lohnt weiter zu üben.


Literatur:

Birkenbihl Vera F., „Stroh im Kopf? – Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn- Benutzer“, 1983/2014, mvg Verlag München

Csikszentmihalyi Mihaly, „FLOW – Das Geheimnis des Glücks“ 1992/2018, Klett-Cotta, Stuttgart

Gallwey W. Tomithy, „The Inner Game of Tennis – The ultimate guide to the mental side of peak performance“, 1975/2015, Pan Book, London

Langer Ellen J., „The Power of Mindfull Learning“, 1997/2016, Da Capo Lifelong Book Boston

Mantel Gerhard, „Einfach üben – 185 unübliche Überezepte für Instrumentalisten“, 2001/2010, Schott Music GmbH Mainz

Spitzer Manfred, „Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens“, 2006/2014, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.